Interview mit Kirchenrat Michael Wolf

Michael Wolf
Bildrechte: Wolf

Kirchenrat Michael Wolf ist Gastprediger und Referent bei den zentralen Feierlichkeiten am Reformationssonntag im Dekanat Altdorf. Dekan Adel hat ihn vorab interviewt. 

Lieber Michael, du bist seit 2 Jahren Referent im Landeskirchenamt und dabei zuständig für Gemeindeentwicklung. Wie muss man sich so eine Aufgabe vorstellen?

Ich arbeite in der Abteilung Ökumene und kirchliches Leben in München. Meine Themen sind sehr vielfältig: Kirchenmitgliedschaft, Kasualien, Ehrenamt, missionarische Projekte, Kirchenvorstandswahl, Kirchenentwicklung, Arbeit mit iranischen Christen, Bibelmuseum, Kirchentag 2023 in Nürnberg - um nur ein paar Themen zu nennen. Bei diesen Themen bin ich für strategische Entwicklung zuständig und wie wir diese Themen in der Kirche voranbringen und gut aufstellen können.

Du warst vorher viele Jahre Gemeindepfarrer. Was hat dich an dieser neuen Aufgabe besonders gereizt?

Die Entscheidung für die neue Aufgabe ist mir nicht leicht gefallen. Ich bin ein begeisterter Gemeindepfarrer, ich feiere sehr gerne Gottesdienste, mache mit Freude Konfiarbeit und finde es großartig, Menschen auf ihrem Lebensweg und an besonderen Punkten zu begleiten. Warum dann der Wechsel? Unsere Kirche befindet sich gerade – genauso wie die ganze Gesellschaft – in großen Veränderungsprozessen und hier habe ich Lust, mich einzubringen und Kirche der Zukunft auf landeskirchlicher Ebene mit zu gestalten.

Ohne vorab zuviel zu verraten, aber: Worauf darf sich die Gemeinde freuen bei deiner Predigt?

Mir ist wichtig, mit Leidenschaft und mit Humor zu predigen.

Dein Vortrag nach dem Gottesdienst steht unter dem Titel: „Krise und Chance des Gottesdienstes in der säkularer werdenden Welt.“ Warum siehst du gerade auch im Gottesdienst eine Chance für die Christenheit in der Moderne?

Wenn Menschen an Kirche denken, dann fällt ihnen oft zunächst der Gottesdienst ein. Natürlich drückt sich Kirche auch im diakonischen Handeln oder in Gruppen und Kreisen im Gemeindehaus aus, aber der Gottesdienst ist für viele Menschen ein wichtiger Fixpunkt. Und ich glaube, dass es gar nicht so einfach ist, Menschen neu in eine Gruppe ins Gemeindehaus einzuladen – die Schwelle, einmal in den Gottesdienst zu gehen ist dagegen niedriger. An Weihnachten gehen viele Menschen in die Kirche, bei Hochzeiten von Freunden oder bei Taufen in der Verwandtschaft erlebt man das immer mal wieder mit. Und: Im Gottesdienst geht es um unser Kerngeschäft als Kirche: einen Raum für Menschen schaffen, dass sie mit Gott in Verbindung kommen.

Eine letzte Frage noch: Wo siehst du die Zukunft unserer evangelischen Kirche im Jahr 2035?

Wahrscheinlich weniger Geld, weniger Personal, weniger Gebäude. Aber vielleicht auch vielfältiger und lebendiger. Die christliche Kirche gibt es seit 2000 Jahren, die Gestalt und die Organisationsform hat sich immer wieder gewandelt, aber die Kirche gibt es immer noch als weltweites Netzwerk. Von daher ist mir nicht bange – 2035 wird es die Kirche geben, anders als heute, aber das heißt nicht unbedingt schlechter.

Vielen Dank für das Gespräch und bald herzlich willkommen in Altdorf live und in Farbe.

 

Reformationsfest 2021

Laurentiuskirche Altdorf

Zentraler Gottesdienst & Festvortrag
am Sonntag, 31. Oktober 2021 um 18 Uhr